Predigt von Msgr. Jakob Bürgler, Bischofsvikar der Diözese Innsbruck:

Immer neu und immer anders wird in den Evangelien erzählt, wie sich Jesus nach seiner Auferstehung zeigt und wie er seine Freunde überrascht. Heute geht er mit den beiden enttäuschten, traurigen, vielleicht verbitterten Jüngern nach Emmaus. Unerkannt. Als Fremder. Das bedeutet für uns: Wenn wir heute ihn, den Lebendigen, erleben wollen, dann müssen auch wir uns auf den Weg machen, mit den beiden Jüngern, und von ihnen lernen und mit ihnen lernen. Dieses Unterwegssein nach Emmaus ist dazu noch ein ganz wesentlicher Gang für Menschen, die als Wortgottesdienstleiterinnen und Wortgottesdienstleiter eingesetzt werden. Wir schlüpfen also in die Schuhe der Jünger und gehen los.

Zuerst einmal gehört die Zeit dem Erzählen. Auch dem Klagen. „Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte." (Lk 24,14) Und das hört nicht auf, als dieser Fremde, Jesus, dazukommt. Er fragt sie sogar danach, worüber sie reden. „Ach, du weißt nicht, was uns so umtreibt und beschäftigt?" Und sie sprudeln los. Von all dem, was sich in den letzten Tagen ereignet hat. Was sie so bitter enttäuscht und gekränkt hat. Was ihnen am Herzen liegt und im Magen. Wo sie keinen Ausweg sehen und nicht wissen, wie es weiter geht. Was alles so in der Luft ist und was die Leute so reden. Eine Fülle von Dingen kommt da ans Licht und ins Wort.
Wenn ich manchmal eine kleine Runde drehe und ein wenig spazieren gehe, dann erlebe ich das auch. Viele Leute sind unterwegs, oft zu zweit, und sie reden und erzählen viel. Manchmal ganz ruhig, manchmal aufgeregt und ärgerlich, manchmal tief traurig und belastet. Die Leute teilen ihr Leben. Sie teilen das, was ihr Leben ausmacht und was sich rund um sie und was sich in ihnen ereignet.

 

Das ist das Erste, was für Wortgottesdienstleiter wichtig ist: Das Leben der Menschen zu teilen. Zu wissen, was los ist. Was die Leute beschäftigt. Welche Fragen sie haben, welche Lasten sie tragen, wie sie ihr Leben „leben". Wenn die Frohe Botschaft eine Antwort für das Leben geben will, dann muss man wissen, welche Fragen sich im Leben auftun. Es geht nicht darum, besonders fromme Worte zu suchen, sondern Worte zu wählen, die am Leben ansetzen.
Auch am Leben derer, die gerade Sorgen haben und Lasten tragen. Den Blick auf jene zu richten, die eine Hilfe brauchen, eine Aufmerksamkeit, ein klares Zeichen der Solidarität. Das Wort Gottes will zur Tat werden. Es will ins Tun kommen. Nicht nur ein schönes Gerede sein.
Also der erste Schritt: Das Leben der Menschen bedenken und teilen. Und dieses Leben ins Gespräch bringen mit Gott, ins Gebet bringen.

 

Soweit so gut. Doch nun kommt der zweite Schritt. Dieser Fremde, er beginnt, den beiden Jüngern die Augen zu öffnen. Sicher, sie erkennen ihn nicht, aber ihr Herz beginnt zu brennen. Der Begleiter erschließt ihnen den Sinn der Bibel, die Zusammenhänge der Heiligen Schrift. „Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht." (Lk 24,27)

Wer ein Jünger, eine Jüngerin Jesu ist, der wird sich mit dem Wort der Heiligen Schrift beschäftigen. Der wird sich bemühen, vom Glauben mehr zu verstehen, die Zusammenhänge der Bibel zu begreifen, sich mit Jesus immer enger zu verbinden, indem sein Wort zum Leitwort im Leben wird.
Papst Franziskus hat in der Osternacht gemeint, es gäbe zu viel „Erinnerungsglauben", so als gehöre Christus der Vergangenheit an. Ein lebendiger Glaube sei keine „Antiquitätensammlung". Denn Jesus lebe, hier und jetzt. Wenn der Lebende nicht bei und in uns lebt, dann kann er auch nicht als lebendig und existenzrelevant erlebt und weitergegeben werden.
Wortgottesdienstleiter haben die wunderbare und herausragende, auch heikle und fordernde Aufgabe, das Wort Gottes zu verkünden und zu deuten. Dazu brauchen sie eine gute Zeit der innigen Betrachtung und des Nachdenkens über dieses Wort. Es geht darum, sich von der Bibel „treffen" zu lassen, berühren, anrühren, sich in die Tiefe der Worte einzuleben und einzuwohnen.

 

Und dann der dritte Schritt: Das Mahl. Die Wandergruppe ist angekommen in Emmaus. Sie kehren ins Haus ein. Und Jesus nimmt Brot, bricht es und teilt. Das ist doch die Eucharistie! Genau! Alles zielt hin auf diese dichteste Feier der Begegnung mit dem Herrn. Im Mahl erkennen sie ihren Meister und Herrn und Bruder.

Es ist wichtig, dass Wortgottesdienstleiter mit der Eucharistie vertraut sind, dass sie versuchen, aus ihr zu leben, dass sie in ihr Nahrung finden für ihr Leben und ihren Einsatz.
Und wenn sie Gottesdienste feiern und leiten, dann versuchen sie, Menschen für das größere Geheimnis Gottes zu öffnen. Ihnen Nahrung und Begleitung zu geben, sie zu ermutigen, und ihnen dort einen guten, stärkenden und wichtigen Dienst zu erweisen, wo keine Eucharistie möglich ist.
Dabei soll ihr eigenes Herz brennen. Und wie schön wäre es, wenn die Mitfeiernden spüren und sagen könnten: Brannte nicht unser Herz in uns, als wir diese Worte hörten, diesen Gottesdienst feierten, diese Stunde erlebten?
Ohne Herz geht nichts. Nur der, dessen Herz brennt, kann andere entzünden. Die Frohe Botschaft zündet nur von Herz zu Herz. Deshalb: Seid lebendige Herzfeuer in euren Gemeinden! Teilt den Funken, der in euch lebt! Traut der Feuerkraft, die in eurem Tun liegt! Und wenn manchmal nur ein kleines Feuerchen möglich ist, dann achtet es. Aus vielen kleinen Feuern entsteht etwas, das alle erfasst.

 

Und jetzt kommt noch eine kleine Werbung oder Ermutigung. Das Leben teilen, das Evangelium zu sich sprechen lassen: Das kann man besonders gut in den sogenannten Weggemeinschaften, die wir in unserer Diözese aufbauen wollen. Vielleicht gelingt ja die eine oder andere auch unter euch.
Und: Wenn ihr Herzfeuer seid, dann seid ihr die Geeignetsten, ein Herzfeuer zu entzünden. Vielleicht gerade im heurigen Petrus-Canisius-Jahr. Ein Herzfeuer, das euch ermutigt, den christlichen Weg frischer und dynamischer und kreativer zu leben. Überlegen zahlt sich aus.

Zum Schluss: Danke an all jene, die euch vorbereitet und ermutigt haben. Danke besonders euch allen für eure Bereitschaft! Und viel Segen und Erfüllung für euren Dienst und Einsatz!

 

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